Können wir das von Gabriele Musebrink aufgetragene Strukturmaterial als erweiterten Malgrund bezeichnen?

Die Absicht der Künstlerin scheint klar – sie verweigert sich der schnöden Leinwand und sucht stattdessen nach einem Untergrund, der gewillt ist ihr Spiel mit den unterschiedlichen meist flüssigen Substanzen mitzugehen. Ja, in dieser Phase des Prozesses bildet sich der Malgrund erst unter den Händen von Gabriele Musebrink heraus. Er nimmt die gewünschte Form und die geforderte Materialität an. Sie führt ihn dorthin und überlässt ihn dann den weiteren Arbeitsschritten. Dabei ist es unerheblich ob sie feine Mehle oder grobes Baumaterial verwendet. Oder diese sogar kombiniert.

Dieser Untergrund bildet nun die Basis für diverse Farbauf- und Farbabträge. Auch hier gibt sich Gabriele Musebrink nicht dem Gewöhnlichen hin. Sie verwendet keine fertige Farben aus der Flasche, sondern sie stellt nahezu alle ihre Farben im Prozess selbst her. Die Basis dafür bilden hochwertige Pigmente, die mit Lein- oder Mohnöl zu einer Ölfarbe gebunden werden, oder mit Acrylbinder zu einer Acrylfarbe.

Holzbeizen scheinen der ideale Partner zu sein um tief in das aufgetragene Strukturmaterial einzusickern. Sie sind hochpigmentiert und sehr flüssig. Mal auf Wasser- oder Alkoholbasis überzeugen Sie nach der Trocknung durch eine ganz eigene Farbigkeit.

Sie bilden häufig gemeinsam mit Pigmenten, Balsamterpentin- oder Mohnöl große Pfützen, die auf der Strukturmasse schwimmend ein Reservoir der Möglichkeiten bilden.

Überhaupt legt die Künstlerin großen Wert darauf schon in den ersten Arbeitsschritten die Basis zu schaffen. So ist ein ordentlicher Pigmentüberschuss fest eingeplant und bestimmt die Farbherstellung zum Ende der Fertigstellung ihres Werks.

Die Farbabträge gehen mal zart und sanft mit einem Lappen oder Schwamm über die Bühne. Oder auch hart und staubig mit einer Messingbürste, die Spuren im durchgetrockneten Strukturmaterial hinterlässt. In dieser Phase ist intensives Betrachten notwendig. Kleinste Details in der Struktur können zu Tage gefördert werden, Vertiefungen ausgearbeitet und Farbflächen zum Beispiel mit Wachs veredelt werden.

Geduld ist gefordert, denn die Trocknungszeiten sind je nach verwendetem Material nicht unerheblich. So kann es auch mal einige Wochen dauern bis alle Schichten durchgetrocknet sind. Aber auch schon während des Arbeitsprozesses heisst es immer wieder beiseite treten und trocknen lassen.

Wer sich aber voll und ganz auf diese materialintensive Art des künstlerischen Schaffens einlässt wird belohnt mit auffälligen Arbeiten, die durch allen Schichten Spuren in sich tragen.